Sonntag, 17. Juni 2012

Von zornenden Kindern ;-)

Dienstagabend war ich auf einem "Info-Abend" in unserem Kindergarten. Schon seit Wochen waren Flyer ausgehängt und Listen in denen man sich eintragen konnte.
Das Thema: " Trotz - Nein, ich will nicht!"

Ich fand das Thema sehr interessant und habe mich natürlich eingetragen. Ich persönlich fand es etwas erschreckend wie wenig Resonanz da war, wenns hoch kommt 5 Elternteile! Das ist garnichts wenn man bedenkt wieviel Gruppen es gibt und wieviel Kinder in der jew. Gruppe betreut werden.
Warum ist das so?
Ist es unschick, redet man nicht darüber, hat es was mit Versagensangst zu tun wenn man darüber redet, muss man nach außen hin die perfekte Familie sein? Eine Familie die alles im Griff hat und die Kinder natürlich NIEMALS zornen und trotzen?

Wenn es einen Infoabend über Babymassage, Ernährung, z.B. vom Brei zum Familientisch etc. gegeben hätte, wäre die Teilnehmerliste sicher übervoll gewesen.
Aber bei so unangenehmen Themen, oh neee, da redet man nicht drüber, da kauft man lieber den Bestseller der Erziehungsratgeber (denn was da drin steht muss ja stimmen) und macht mal (plump gesagt). Der Autor wird schon recht haben, schließlich ist er ja vom Fach...
Beim nächsten Ratgeber steht dann wieder was ganz anderes drin, "owe, aber XY hat das doch so geschrieben...was mach ich denn jetzt..."?

Ich habe auch so ein paar Exemplare dabei, schrecklich, ich konnte mich mit einigen Methoden absolut nicht anfreunden, bestes Beispiel, "Jedes Kind kann schlafen lernen" oder "Jedes Kind kann Regeln lernen" (die beiden Bücher stell ich übrigens demnächst in den Flohmarktteil hier auf meinem Blog).

So weit so gut, ich war jedenfalls froh und bereue es absolut NICHT dass ich gestern Abend auf diesem Vortrag war.
Ich hätte dieser Frau stundenlang zuhören können, vieles was sie erzählte, erklärte war auf einmal so "klar", ich dachte oft "Mensch, ja klar, klingt logisch..."

Was ist denn Trotz?
Trotz ist ein sehr wichtiger Schritt in der kindlichen Entwicklung! Er gehört dazu oder wie es gestern Abend hieß, "ohne Trotz wird niemand erwachsen" ;-)
Trotzphasen beginnen meißt mit 2-3 Jahren, wenn ein Kind versucht seine Bedürfnisse geltend zu machen, wenn es eine Situation als schwierig erlebt und sich nicht durchsetzen kann.

Das ICH steht ganz arg im Vordergrund und hat für mich, für mein Verständnis NICHTS mit einem egoistischen, durchtriebenen Kind zu tun, welches mit aller Gewalt seinen Willen durchsetzen will.

Der eigene Wille entwickelt sich, es ist kein Baby mehr, ein Kind spürt und entdeckt seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Diese sind andere als das was natürlich wir Eltern, was unser Umfeld erwartet.
Mit Trotz versucht ein Kind also seine Ansprüche, seine Bedürfnisse zu verteidigen.
Sie können sich ja auch noch garnicht richtig mitteilen, ausdrücken, vieles können die Kleinen auch einfach noch nicht verstehen.
(Ich habe mich während des Vortrages oft dabei ertappt wie ich gedacht habe " Man, wir erwarten und verlangen ganz schön viel von unseren Kindern"...)
Abgesehen davon lernt ein Kind in dieser Zeit sehr viel, es beginnt zu sprechen, zu laufen, es versucht alleine die Schuhe anzuziehen,  zu klettern etc.
Es hat ein Erfolgserlebnis, es freut sich riesig in dem Moment, z.B. wenn es alleine eine Treppe hoch gelaufen ist. Und auf der anderen Seite kommt es recht schnell wieder an seine eigenen Grenzen. Nun ist es alleine, freudestrahlend die Treppe hoch gelaufen, dreht sich um und sieht, dass es ja garnicht alleine wieder runter kommt, dass z:B. Mama weit weg ist.

Es sind die Kleinigkeiten, spielen ist wie Arbeit für die Kleinen. Wenn man da natürlich das Kind aus dieser Situation, ich sag jetzt mal "raus reisst", man verlangt dass es aufhört zu spielen weil z.B. ein wichtiger Termin ansteht, man zur Arbeit muss und vorher das Kind noch in den Kindergarten bringen muss etc... dann ist das natürlich für so nen Zwerg ein Weltuntergang. Das man es zeitig ankündigen  sollte, "...du, noch 5 Minuten dann müssen wir aber los..." (oder so ähnlich).

Klare Ansagen und konsequent bleiben, ein JA ist ein JA und ein NEIN ist ein NEIN!
Das hört sich logisch an, klar, aber sicher gehts da vielen Eltern so wie mir. Manchmal gibt man eben doch nach, bleibt nicht bei seiner Aussage weil man in dem Moment vielleicht einfach den Weg des geringsten Widerstandes gehen mag ;-)
Es hieß man soll das emotionale Verhalten des Kindes nicht persönlich nehmen, bei uns passierte es auch schon das Töchterlein in einem Tobsuchtsanfall schrie "Mama du bist doof, du bist Kacka". Persönlich hab ich das noch nie genommen, i m Gegenteil, ich musste mir in dem Moment noch das lachen verkneifen. Lachen möchte man ja auch nicht in so einer Situation, dass wird dann evtl. als auslachen aufgefasst und erweckt im Kind vielleicht den Gedanken man nimmt es in seiner Situation nicht ernst.
Sich hineinfühlen in die Situation des Kindes, Verständnis und versuchen dies mit einfachen Worten wiederzugeben.
"Ich kann ja verstehen dass Du zornig bist, Du willst noch weiter spielen...aber das geht jetzt nicht,die Mama hat einen Termin... Doch komm, wenn wir später wieder zuhause sind spielen wir zusammen weiter..."
Mitgefühl und auch zeigen dass man zwar mit dem Verhalten des Kindes nicht einverstanden ist, es aber trotzdem geliebt wird.

Das ist meiner Meinung nach verdammt wichtig! Ich habe schon oft festgestellt dass die Kleinen das nicht unterscheiden können.
Wenn ich mal schimpfe, sich mein Ton verändert, vielleicht auch mal zu Töchterlein sage "du bist gerade garnicht lieb, du ärgerst die Mama"... dann kann es passieren dass Töchterlein sofort Panik kriegt und sagt "Aber Mama, ich hab Dich doch lieb"!
Ich erkläre ihr dann das ich sie IMMER LIEB habe, egal was sie anstellt. Lieb sein und jemanden lieb haben zweierlei sind.
(Garnicht so einfach das mit einfachen Worten zu erklären ;-) )

Was ich nicht wußte, bzw. noch nie gehört hab war dass Kinder nicht bei jedem zornen oder trotzig sind. Dass es Personen sind wo sie, ich sag jetzt mal "wissen" dass sie das dürfen. Personen wo sie sicher sind dass sie sich auch mal unangepasst verhalten dürfen und dass diese Person das auch aushält, das Kind auffängt...
Das Prinzip des "Festhaltens" fand ich auch erstaunlich. Wenn garnichts mehr geht, dass man das Kind festhält, bis der Anfall vorbei ist.
Ich dachte im ersten Moment, "wie, festhalten? gegen seinen Willen? Darf ich das etc...?"
Irina Prekop hat da eine ich sage jetzt mal "Festhaltetherapie" entwickelt....bin da selber noch am einlesen. Aber die These find ich interessant. Dass da "jemand" ist der mich aushält, mich halten tut, auch wenn alles so "schrecklich ist"...

FAZIT:
Verdammt viel Input! Ich kam spät nach Hause und mein Kopf war regelrecht "voll" ;-)
Es gab Situationen in denen ich Tränen in den Augen hatte weil ich an meine Kindheit dachte, an Erziehungsmethoden die man vielleicht noch vor 30-40 Jahren hatte.
Früher, ja "früher war ja alles anders" (blabla)
Auch früher gab es trotzende, zornige Kinder doch drakonische Strafen, Disziplinierungsmaßnahmen, Liebesentzug oder einfach den Widerstand im Keim ersticken brachen wohl eher den Willen eines Kindes.

Und die Folgen?
Schuldgefühle, Minderwertigkeitskomplexe...oder Gedanken wie "ich muss es jedem recht machen damit man mich mag und ich geliebt werde".
Lernen NEIN zu sagen muss man mühsam lernen (oh ja, da kann ich ein Lied von singen)...

Ich glaube es ist normal dass man sich sagt " ich möchte bei meinen Kindern einiges anders machen" und ich persönlich weiß dass ich auf dem richtigen Weg bin ;-)
Mein Kind mag manchmal aufmüpfig und impulsiv sein, es gab Situationen in denen man mir sagte wenn ich jetzt nicht knallhart durchgreife macht mein Kind mit mir was es will... oder noch besser ich bekam schon sogenannte "Tips"  ich solle doch mein Kind in seinem Zimmer einschließen dass wäre immerhin besser als schlagen"....
HALLO? GEHTS NOCH!?
Es geht auch anders, mit Ermahnungen und wenn das nicht geht den Konsequenzen daraus...etc.
Ich jedenfalls bin stolz auf mein Töchterlein, so anstrengend wie mein Löwenmädchen auch sein mag ;-)
Sie darf zornen und toben, sie hat ihr Selbstbewußtsein, probiert vieles aus und ist nicht so ängstlich.
Sie wird ihren Weg gehen und wenn sie diese selbstbewußte Art beibehält ist das super!
Wer weiß was die Zukunft bringen mag, mit was sich unsere Kinder noch auseinandersetzen müssen.
Aber ich werde für sie da sein, sie halten, stärken und trösten wann immer es nötig ist!
Ihr Platz und Raum bieten zum weinen, schreien und wütend sein, ich werde  ihr die Schulter zum ausweinen sein und zu einer "Löwenmama" werden wenn ihr Unrecht geschieht!
Und das wichtigste, die LIEBE, die BEDINGUNGSLOSE LIEBE die IMMER das sein wird. 


Foto von destroyer "Two hearts"
Quelle: www.piqs.de


Sind so kleine Hände
winz´ge Finger dran.
Darf man nie drauf schlagen
die zerbrechen dann.

Sind so kleine Füße
mit so kleinen Zehn.
Darf man nie drauf treten
könn´ sie sonst nicht gehn.

Sind so kleine Ohren
scharf, und ihr erlaubt.
Darf man nie zerbrüllen
werden davon taub.

Sind so kleine Münder
sprechen alles aus.
Darf man nie verbieten
kommt sonst nichts mehr raus. 

Sind so klare Augen
die noch alles sehn.
Darf man nie verbinden
könn´ sie nichts mehr sehn.

Sind so kleine Seelen
offen ganz und frei.
Darf man niemals quälen
gehn kaputt dabei.

Ist so´n kleines Rückgrat
sieht man fast noch nicht.
Darf man niemals beugen
weil es sonst zerbricht.

Grade, klare Menschen
wär´n ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat
hab´n wir schon zuviel.

(Songtext von Bettina Wegner) 

Kommentare:

  1. vielen dank für die zusammenfassung!
    wie ich gestern schon sagte, empfinde ich erziehung als einen dynamischen prozeß. keine mama macht ja vor der geburt ihres kindes ein seminar und bekommt dann ein tolles mama-diplom *gacker* es ist ja vielmehr so, daß wir eltern immer versuchen, die erziehung an die jeweilige phase anzupassen. nur ein beispiel: als mein sohn 4 war konnte ich noch nicht so mit ihm diskutieren, wie ich das jetzt schon kann - und wenn er 12 ist, ist das nochmal ganz anders. ich habe ihm auch nie gesagt, daß ich als mama den großen überblick, das große über-wissen hätte. im gegenteil, ich sage ganz klar, daß ich auch nur versuchen kann, was gerade paßt. jeder tag, jede situation ist anders. manchmal hängt das auch ganz arg von seiner laune ab: mal kann ich mit ihm reden, mal klappt das in einer augenscheinlich gleichen situation überhaupt nicht.
    was ich wichtig finde, ist konsequenz. wenn ich was verspreche, dann halte ich es - allerdings finde ich auch wichtig, daß kinder lernen, daß es manchmal ausnahmefälle gibt. wenn ich versprochen habe, daß wir einen film gucken, dann aber migräne kriege, erkläre ich das und mache einen anderen termin aus. so in etwa.

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  2. da hast du vollkommen recht, "mama-diplom" ist gut ;-) wenns so einfach wäre.
    es ist ein ständiges lernen.
    habs ja erzählt gestern.
    ich war dienstag abend die mama mit dem "ältesten" kind. die restlichen mamas hatten kinder die ca. 2 jahre alt sind.
    da sind die themen wieder was ganz anderes gewesen. bestes beispiel, wenn die phase kommt das die kleinen auf einmal nachts ins bett der eltern wollen oder nicht alleine einschlafen können und die eltern ewigkeiten vor dem bett sitzen bis das kind eingeschlafen ist.

    toi,toi,toi ;-) das einschlafproblem hatten wir garnicht, allerdings die phase in der töchterlein bald jede nacht zu uns ins bett kam.
    wenn ich dran denke wie ich mich da verrückt gemacht habe. was ist richtig, was falsch? wobei es ein falsch nicht gibt.
    was sagen und denken die anderen (ist mir mittlerweile egal)?
    was steht in div. ratgebern etc...

    irgendwann war ich soweit dass ich vor weihnachten eine klappmatratze gekauft habe. tagsüber wars sie wie ein hocker und abends hatte ich sie schon sicherheitshalber neben unser bett gelegt, falls töchterlein nachts kommt...
    und dann?
    wenns hoch kommt schlief sie ne woche lang drauf.
    irgendwann hatte sie keine lust mehr, mama und papa schlafen im dunkeln und sie hat ein nachtlicht.
    es war ne phase, sie schläft im eigenen bett und wenn sie mal schlecht träumt oder in den frühen morgenstunden aufwacht...dann kommt sie zu uns, legt sich in die mitte und schläft weiter.

    sich nicht verunsichern lassen, auf sein bauchgefühl hören und entscheidungen und konsequenzen treffen hinter denen man steht und mit denen man "leben" kann.

    hach ja, ein komplexes thema ;-)

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