Mittwoch, 18. September 2013

Vom alleine sein.... (Teil 2)

Mittlerweile ist mein Mann schon die vierte Woche weg.
Ganz, ganz langsam gewöhne ich mich an die Situation. Die erste Woche war allerdings sehr bescheiden, um es milde auszudrücken :-(

Als wir wußten wann mein Mann sozusagen ins Krankenhaus geht haben wir versucht es Töchterlein kingerecht zu erklären. Einfach war das nicht, und ohne Tränchen geht sowas erst recht nicht. Es ist ja schon für Erwachsene schwer Depressionen und dergleichen zu verstehen. Wie erklärt man einem Kind dann sowas? Krankenhaus? Ohne dass man eigentlich eine "Verletzung" sieht?
Ich denke wir haben es gut hingekriegt, doch als wir fertig waren schaute mein Töchterlein mich fragend an, ich wollte eigentlich noch warten mit meinem Klinikaufenthalt.
Nun ja, Kinder sind nicht blöd und haben super Antennen.
Sie schaute mich an und meinte "Und Mama, was ist mit Dir? Warst Du auch schon im Krankenhaus?"
*schluck*
Also erklärten wir ihr wie es bei mir dann aussieht.
Aber ich sagte ihr auch dass ich sie auch mitnehmen könne, sie aber dann viel alleine ist, fremde Erzieher, fremde Kinder etc...
Sie schüttelte sofort den Kopf, nein, sie will da nicht mit.
Und ich dachte einfach nur was für ein tolles und tapferes Mädchen ich habe.

Die letzten Tage bevor mein Mann ging riss ich mich einfach nur zusammen. Unsicherheiten und Ängstlichkeiten so gut wie's geht unterdrücken. Es ihm und Töchterlein nicht unnötig schwer machen...
Am Tag seiner "Aufnahme" lief für mich morgens alles wie in einem Film ab.
Funktionieren, zusammenreissen...er bestellte sich ein Taxi da ich ihn nicht hinfahren wollte (ich hasse Abschiedszenen).
Töchterlein wollte unbedingt warten bis das Taxi kommt, und dann gings ganz schnell...keine Tränen, drücken, Tschüß sagen.
Kind in den Kiga fahren, Ablenkung für sie... ich nach Hause und in einen Putzwahn verfallen.

Warten...kommt ein Anruf, kommt ne Whats App??? Gibts Kontaktsperre etc.
Auf der Station wo er ist ist das recht locker, Handys erlaubt, Besuche ebenfalls und nach 17 Uhr (Mahlzeiten sind Pflicht) darf man sogar das Gelände verlassen. Ab dem dritten Wochenende ist eine Übernachtung "erlaubt".
Auf der einen Seite freue ich mich über diese lockeren Regelungen, andererseits wird mir aber auch klar dass diese Station absolut nichts für mich wäre.
Ich kenne mich, ich würde jeden Tag zuhause anrufen oder nach Hause fahren um zu schauen ob alles in Ordnung ist.

Wie es mir geht?
Naja, ein totales auf und ab....Stimmungsschwankungen pur.
In den ersten zwei Wochen war es sogar schwer für mich zu sehen was für Fortschritte mein Mann macht, 
überfordert mit der Situation, trotzig, kindisch... Gedanken wie "schön für Dich, und was ist mit mir? Ich sitze hier draußen und hab nen Stillstand und Du bist hier drin und erzählst mir wie gut es Dir geht, besser geht..."
"Schaffe ich das? Halte ich noch diese Wochen durch???"
Trotz, Zorn, agressiv und von jetzt auf nachher ging es in nen Heulkrampf über.

Mittlerweile ist immerhin das zornige, agressive weg...was die Stimmungsschwankungen angeht kann ich das absolut nicht einschätzen.
Tage an denen man morgens aufsteht und sich gut fühlt, motiviert ist bestimmte Dinge anzupacken, man von seinen Mitmenschen zu hören kriegt "hey, Du siehst gut aus, schau mal Du packst dies und das an..." und man denkt nur "joa, alles klar...meine Fassade glänzt bestens".
Und dann kann es passieren dass sich von jetzt auf nachher wieder dieses schwere anbahnt, ohne Grund, ohne Auslöser...man spürt es wie es langsam kommt und denkt nur "och nee, nicht schon wieder, warum jetzt, mir gehts doch gut, ich will das jetzt nicht"...
Schwer zu erklären.
Komme mir gerade ziemlich bescheuert vor dass hier zu schreiben, aber ich mach das auch für mich, möchte das festhalten und vielleicht irgendwann mal ausdrucken.
Was das alleine sein angeht ist dass so ne Sache... ich bin es ja eigentlich nicht, denn mein Töchterlein ist da und das ist gut so.
Aber ich muss auch feststellen dass ich ständig am überlegen bin was wir machen, dass sie Action und Programm hat, nach dem Kiga noch dies und das machen, ich immer das Gefühl habe ihr was zu bieten, was zu machen was ihr Freude bereitet und oftmals vergesse ich mich dabei selbst.
Ich packe den Tag manchmal voll mit Dingen die nicht sein müßten, nicht täglich sein müssten, hauptsache man hat was getan und ist nicht mit sich beschäftigt.
Wenn ich alleine zu Hause bin, meine Nähmaschine sehe, meine Stoffe, meine Sommerpflanzen auf dem Balkon die so nach und nach verblüht sind, es Zeit wäre für winterfeste Pflanzen oder so... dann fehlt mir die Muse, der Antrieb...ein Gefühl von Langeweile obwohl doch genügend Inspiration da wäre.

Alles a bissel chaotisch, aber der Schritt in die richtige Richtung ist ja getan.
In der Klinik angerufen und auch schon ein Datum fest gehalten, wenn mein Schatz früher "draußen" ist, geht es auch früher...
Ich spüre es immer mehr, dass diese Entscheidung absolut richtig war!
Und ich hoffe und wünsche es mir einfach dass mir die Zeit dort was bringt, dass ich zu mir finde, lerne damit umzugehen.

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